Das kann Kunst, Slam und Rap!

Die letzte literarische Veranstaltung in der Alten Schmiede im Jahr 2020 war ebenso besonders, wie es die Bedingugen waren. Sarah Anna Fernbach und Parkwaechter Harlekin traten im Rahmen von „Ist das Kunst oder kann das Rap?“ (kuratiert von Mieze Medusa) bei Slammer.Dichter.Weiter. 2.7 an und so schaute das aus:

Sarah Anna Fernbach hat sich für „Lamentationen (2)“ von Andreas Okopenko entschieden. Einem 1950 geschriebenen Gedicht, dem sie mit einem Text über das Sudern antwortete. Der Winter, diverse Lasten und die Vorlage waren klar erkennbar und dennoch entstand etwas ganz Eigenens, Neues. So soll es sein und so machte es auch Parkwaechter Harlekin. Er wählte die Rede von Christine Nöstlinger, die sie 70 Jahre nach der Befreiung von Mauthausen 2015 im Parlament gehalten hatte und personalisierte und aktualisierte diese auf seine Art. Es ging um Alltagsrassismus und die neuen Formen davon und wurde ein eindeutiger Slam-Poetry-Text.

Beide meisterten die erschwerten Bedingungen – kein Publikum, kein Motivationsapplaus, kein Response – vorbildlich und wurden dafür vom Markus Köhle mit Vorstellungen bedacht, die bleiben und hier auch stehen sollen:

Sarah Anna Fernbach

(Slammt seit 2016, war Ö-Slam-Siegerin und Deutschsprachige U20-Meisterin 2018, Homeslam: Solaris, Linz)

Wenn die Slamily ein Textstrom mit Familienanschluss ist, was sie ist, dann hat sie mit SAF in den letzten Jahren eindeutig eine Bereicherung in Form eines stillen, fröhlich quellenden, tiefen Wassers erfahren, das eine prickelnde Mischung aus Lisa Simpson und Wilheml Busch ist. Alles, was wir alle kennen, macht SAF zum Thema. Alles, was wir vermeintlich alle kennen und deshalb gar nicht mehr hinterfragen, macht SAF zum Thema und seziert und analysiert es. Macht also mehr draus, als wir uns alle vorstellen können. Potenzielle Themen: Schlafen, Duschen, Schokolade.
Oder aber auch nachbarschaftliche Beziehungen und schlampiger Sprachgebrauch. Was SAF behandelt, ist im besten Sinne erledigt. Das ist idealtypische Aufklärungsarbeit und sprachskeptisch noch dazu.
Alles was Sie schon immer über – hier Thema nach Wahl einsetzen – wissen wollten, SAF weiß es und weiß es auf einzigartige Art und Weise in einer Detail-Fülle zu präsentieren, die überwältigt und ob des sprachlichen Charmes und der dosierten Verschmitztheit wohlig einwickelt.
Was da gerne oft mit einer einfachen Einleitung im Dialekt daher kommt, ist eine perfekte Underestatment-Inszenierung, die sich langsam aber unaufhaltsam und unwiderstehlich hoch fährt.
SAF mixt Metren, lässt auf Endlossatz-Prosa-Passagen Monsterwort-Ketten folgen, setzt Wortspiel-Pointen oder Publikumsfragen kalkuliert und mit Feingefühl. Zwischendurch wird das Tempo hochgepitcht und dann wieder dramatisch verlangsamt. Sie gibt uns Leine und holt uns dann wieder ganz an sich heran. Einfach weil sie’s kann. Stimmarbeit heißt bei SAF nicht nur Sprachrhythmisierung sondern mitunter auch Melodieführung. Klar, wird auch zitiert, klar werden popkulturelle Einflüsse eingearbeitet.
SAF kennt ihr Publikum und weiß es zu bedienen. Sie stellt Kontakt mit dem dem Gegenüber her, als wär es keine Kunst. Sie baut eine Identifikationsfigur auf, die wiederum nicht überhöht sondern eben eindeutig mit Understatement versehen wird und wenn sie einen – uns – dann vollends hat, dann wird losgelegt. Dann zieht SAF alle Register der Reim- und Wortspielkunst: dann reimt sie kreuz-und-kehr und ketten-und-schweif, dann jambt und jandelt sie, dann anapästet und buscht sie. Dann wird ein Thema bis zum absoluten Worterbrechen erschöpfend behandelt. Sodann fährt SAF die Sympathien aller ein und den Text heim, bis zum letzten Endreim.

Parkwaechter Harlekin

(Alben: Liebe (2010), Die Unentschlossenheit der Türen (2013), Zum Fleiß (2016) ProblembaerRecords; Der Vollstaendigkeit Halber (2020) wolkenvorhang)

PH macht keine explizit Lyrics, er macht implizit Lyrics, Lyrics mit Subtext. Er kommentiert Phänomene der Zeit, macht das aber poetisch verklausuliert. So erhöht er die Ereignisse, enthebt sie dem Kontext und macht sie dadurch zeitlos und allgemein gültig. Das klingt nach brechtschem Verfremdungseffekt und Brecht steht PH gut. Denn PH hat Haltung und Anspruch.
„Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.“ schreibt BB und PH schreibt gegen jene an, die sich durch das Verbreiten ihrer Lügen zu populären Figuren machen, anstatt dass sie als Verbrecher erkannt werden.
PH legt den Finger in die Wunden der Gesellschaft und das Ohr gleich mit drauf, denn PH hört sie raus, die Unstimmigkeiten im gegenwärtigen Gesellschaftskanon, der immer wieder geprägt ist von heuchlerischer Politik, Augenauswischerei und Schulterschluss.
Wenn Österreich ein Park ist, dann hat es in und mit Parkwaechter Harlekin einen besseren Wächter aka Kommentator verpasst gekriegt, als es verdient. Dass ein Österreich-Kommentar aus dem Untergrund respektive dem Keller kommen muss, ist klar. Diese politisch-poetisch wabernde Kelleratmosphäre zu erzeugen, darin versteht sich PH musikalisch und textlich. Es rumpelt in der Kellerkiste. Der generelle Düstertouch ist mehr in den Beats daheim, wird aber schon auch durch die originelle Stimmarbeit vermittelt. Die Beats verteilen mehr Gnackwatschen als das Arrangement Streicher-Streicheleinheiten. Dass das auch nackt respektive acapella funktioniert, wird bewiesen werden.
Schnelle Eingängigkeit ist nicht das Ziel, eher momentane Überforderung. Die gerne lyrisch überbordenden Texte laden zum Mehrmalhören ein, nein, sie zwingen zum Mehrmalhören, weil man mehr verstehen will und immer an etwas Neuem hängen bleiben kann. Das ist eine große Qualität. Als Gegenstück zur Zeilenopulenz werden immer wieder Endloswiederholungen serviert und zwar brillantpenetrante Refrainzeilen wie zum Beispiel: „Statt den Worten die wir sagen wollen, sagen wir ihr nur die Worte, die wir glauben, die wir sagen sollen.“ Damit ist das Dilemma der Beziehungskommunikation auf einen Satz und auf den Punkt gebracht. Und außerdem erwähnt, dass es schon auch einfach mal nur um Liebe gehen kann. Womit wir wieder beim ersten Albumtitel angelangt wären. „Man kann die Wahrheit nur mit List verbreiten.“, schreibt Bert Brecht. PH hat sie, die List. PH ist list- und lustvoll im Umgang mit Musik und Sprache und gehört nicht nur gehört, sondern auch gelesen.

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Ist das Kunst oder kann das Rap?

Parkwaechter Harlekin geht in sich und kommt mit neuen Texten demnächst in der Alten Schmiede ganz aus sich raus (Foto: David Visnjic)

Mieze Medusa hat einen Hip-Hop-Schwerpunkt für die Alte Schmiede programmiert und ein Teil davon wird auch ein Slammer.Dichter.Weiter.-Abend sein. Am Donnerstag, den 17. Dezember 2020 um 19 Uhr stellen sich Sarah Anna Fernbach und Parkwaechter Harlekin der Eingangsfrage bzw. der sdw-Aufgabe. sdw2.7 unterscheidet sich nicht wesentlich von bisherigen sdw-Abenden.
Parkwaechter Harlekin kann Rap und war vielleicht noch nicht auf einer Poetry-Slam-Bühne sehr wohl aber bei Lesungen zu sehen.
Sarah Anna Fernbach ist definitiv rap-sozialisiert und ihre Words per Minute toppt wohl kaum wer – egal ob in der Slam- oder Rap-Szene. Wie immer gilt: Im Vorfeld werden die Geladenen mit je drei AutorInnen-Namen konfrontiert, dürfen sich einlesen, was aussuchen, dieses dann live performen und irgendwie darauf antworten.
Diesmal standen zur Wahl:
Joe Berger, Andreas Okopenko und Ruth Weiss (für Sarah Anna Fernbach)
und Christine Nöstlinger, Hermann Schürrer und Huckey (für Parkwaechter Harlekin).
Markus Köhle moderiert, stellt die Akteure und Impulsgeberinnen des Abends vor und das Ganze wird natürlich gestreamt. Dabeisein erwünscht!

Sarah Anna Fernbach schaut in die nahe Ferne ist also quasi looking forward to sdw 2.7 (Foto: privat)

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Frühling im Herbst

Das Jahr 2020 ist sehr speziell, das wissen wir. Schon am 25. Mai hätten Janea Hansen und Emil Kaschka sdw 2.6 bestreiten sollen, allein Corona hatte was dagegen. Na dann halt im September und zwar in zwei Etappen. Am Dienstag, den 8. und Donnerstag, den 9. wurde einiges nachgeholt, was im Frühjahr leider nicht möglich war.

Foto by Celine Vögel

Emil Kaschka eröffnete also die Herbstsaison und zwar mit einem eingedampften sdw-Programm.
Emil Kaschka hat einen raketenartigen Start auf Österreichs Bühnen hingelegt. Wie kein Zweiter hat er sich binnen kürzester Zeit durch alle Line-Ups und in sämtliche Herzen gedichtet. Mit poetischen Sichtweisen auf alltägliche Dinge und unwiderstehlichem Charme, weiß er sein Publikum mit auf Reisen zu nehmen. Der Drittplatzierte der Österreichischen Meisterschaft 2019 kommt aus Pfaffenhofen in Tirol und wird ab Oktober Wiener sein.

Emil hatte die Wahl: Gert Jonke, Otto Grünmandl oder Hermann Schürrer und entschied sich für den Landsmann.

Janea Hansen ist Autorin, Slam Poetin, Moderatorin, Kulturveranstalterin und studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaftlerin. Unter anderem arbeitet sie im Veranstaltungskollektiv FOMP und betreut als Veranstalterin die Lesereihe AnnoLiteraturSonntag und den U20 Poetry Slam im Dschungel Wien. Weitere Infos unter: www.janeahansen.wordpress.com

Foto by Benjamin Thomes

Janea hatte die Wahl: Hertha Kräftner, Christine Lavant oder Georg Kreisler und entschied sich für den Unvergleichlichen am Klavier, den Texter, Dichter, Unikum.

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Erklär mir, was tat ich?

Zwei ganz Große der Nachkriegsliteratur wurden ausgewählt von Tanasgol Sabbagh und Lukas Hofbauer. Zwei Autorinnen, die einige Gemeinsamkeiten haben und jeweils einzigartige Werke in den Bereichen Lyrik, Prosa und Hörspiel hinterlassen haben. Sie seien beide kurz anhand von Zitaten vorgestellt:

Lukas Hofbauer antwortet auf Ingeborg Bachmann

„Ich habe aufgehört, Gedichte zu schreiben, als mir der Verdacht kam, ich ‚könne‘ jetzt Gedichte schreiben, auch wenn der Zwang, welche zu schreiben, ausbliebe. Und es wird eben keine Gedichte mehr geben, eh’ ich mich nicht überzeuge, daß es wieder Gedichte sein müssen und nur Gedichte, so neu, daß sie allem seither Erfahrenen wirklich entsprechen.“

Sagte Ingeborg Bachmann über das Gedichte-Schreiben. Mit „Die gestundete Zeit“ (1953) und „Anrufung des großen Bären“ (1956) hat sie der Literatur allerdings zwei bleibende Lyrik-Bände beschert. Selbst sah sie sich eher als Prosa-Autorin, Gedichte schienen ihr „nur Ausrede für Arbeit“. Der Roman „Malina“ (1971) und der Erzählband „Simultan“ (1972) sollten hier zumindest erwähnt werden. Erwähnt soll auch werden, was Eva Menasse über Igeborg Bachmann schrieb:

Ingeborg Bachmanns Humor, ihre Begabung zur Freundschaft, ihre Vielsprachig- und Weltläufigkeit, ihre Lust an Inszenierung, an Weiblichkeit und Intellektualität uns schließlich die enorme Kraft, die von ihrer Persönlichkeit ausging, können offenbar erst jetzt richtig entdeckt werden.

Bachmanns Humor kann unter anderem in ihren Essays (zum Beispiel im Beitrag „Die wunderliche Musik“) entdeckt werden. Lukas Hofbauer hat sich allerdings für einen Bachmann-Klassiker entschieden: „Erklär mir, Liebe“ Lukas erklärte in Rezeptform und bat zu Tisch.

Nicht minder bedeutend die Autorin, die sich Tanasgol Sabbagh ausgesucht hat. Ilse Aichinger schrieb mit „Die größere Hoffnung“ (1948) einen Roman, der unerreicht bleibt. Während andere noch jahrelang nach einer richtigen Sprache suchten, hatte sie sie schon gefunden und wie. 52 Jahre später sollte sie dann eine Viennale-Tagebuch führen, das zu einer Kolumne im Standard wurde und unter „Journal des Verschwindens“ vielleicht noch einigen ein Begriff ist. Da (im Teil IV des Viennale-Tagebuchs) schrieb sie:

Tanasgol Sabbagh nahm sich „Mir“ von Ilse Aichinger an

Wie sagt man: Zuerst die gute Nachricht? Oder doch viel lieber zuerst die schlechte? Mein Bild von Deutschland war lang, ehe ich es kannte, die gute Nachricht. Die nördlichen Gegenden ermutigten mich auf der Landkarte. Vor allem war ich auf dieser Kinderlandkarte Ostpreußen verfallen, „Namen, die keiner mehr kennt“. Eben deshalb. Es kam mir vor, als wäre dort selbst das Wetter ehrlicher und keinesfalls tückisch. Ich hätte mir dieses Deutschlandbild so wenig nehmen lassen wie die Freude auf den Ferienbeginn und während der Ferien die Freude auf den Schulbeginn. Dass zu Deutschland auch Castorp-Rauxel und Wuppertal-Elberfeld gehörten, strich ich schon, ehe ich davon wusste. Es war anders als Österreich, offener. Ich sah den Heldenplatz in der Realität, und den im Burgtheater. Die Realität war um einiges schlimmer. Und ich konnte mir einen solchen Heldenplatz in Berlin, Hamburg oder Köln nicht vorstellen.

Auch Aichinger hatte also Humor, wenngleich sie eher mit Aussagen auffiel, die so klingen: „Ich habe es immer als eine Zumutung empfunden, dass man nicht gefragt wird, ob man auf die Welt kommen will. Ich hätte es bestimmt abgelehnt.“
Tanasgol hat das Gedicht „Mir“ aus „Verschenkter Rat“ (1978) ausgesucht. Einer Gedichtsammlung aus zwei Jahrzehnten, die auch noch immer lesbar ist. Diese Gedichte altern nicht, sie veredeln sich eher. „Was tat ich?“ wird in der letzten Zeile von „Mir“ gefragt. Tanasgol gab Antwort. Ein Abend, der Lust auf mehr Bachmann, Aichinger, Hofbauer und Sabbagh machte.

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slammer.dichter.weiter. 2.5 am 20. Jänner 2020

Das neue Jahr hat eine ganz besonderes Aufeinandertreffen zu bieten. Bei slammer.dichter.weiter. 2.5 am Montag, den 20. Jänner 2020 sind Tanasgol Sabbagh (aus Berlin) und Lukas Hofbauer (aus Graz) zu hören und sehen. Markus Köhle hat sie wie immer im Vorfeld mit je drei Dichter*innen konfrontiert. Für wen sich die zwei Poet*innen entschieden haben, ist vor Ort zu erfahren. Lasst euch das nicht entgehen. Eintritt frei. Beginn: 19 Uhr in der Alten Schmiede in Wien.

Lukas Hofbauer (Foto von Pia Schulz) steht seit 2015 auf Slam Bühnen. Er war 2016 U20-Ö-Slam-Vizemeister, 2019 im Finale des Ö-Slams, kommt aus Klagenfurt, lebt ihn Graz, studiert dort noch, slammt aber mehr und mehr und kümmert sich um Slam-Szene-Arbeit in Kärnten und der Steiermark. Auf der Bühne ist er mal Sprachrohr der Generation Y, mal lyrischer Handwerker aber immer eine starke, eigenständige Spoken Word Stimme.

Tanasgol Sabbagh (geb. 1993 in Amol, Iran; Foto von Ken Yamamoto) bereichert die Poetry Slam Szene seit 2011. Sie machte ihren Bachelor in Orientwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und beschäftigt sich in ihren Texten häufig mit sozialen und gesellschaftlichen Missständen wie Sexismus und Rassismus, zu denen sie immer einen persönlichen Bezug herstellt. Derzeit lebt und schreibt sie in Berlin und ist Stammautorin der Lesebühne „Parallelgesellschaft“.

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sdw 2.4 – Mehr als ein Zirkusserl

Barbara Lehner hat sich für zwei Texte aus „Koma und Amok“ von Heidi Pataki (Otto Müller Verlag 1999) entschieden und souverän darauf geantwortet. Heidi Pataki war 1991-2006 Präsidentin der GAV (Grazer Autorinnen und Autoren Vereinigung), veröffentlichte 1968 bei Suhrkamp den Band „Schlagzeilen“, war dann als Redakteurin des Neuen Forums und u.a. auf für den ORF tätig. Sie war für ihre Streitlust und Kompetenz berühmt und berüchtigt. In ihren Gedichten montierte sie gerne Zitate von Kolleg_innen, dass sie selbst nun herbeizitiert und von Barbara Lehner rezitiert wird, hätte sie sicher gefreut. Heidi Pataki (1940-2006) beschrieb ihre Poetik wie folgt: “Fragend falle ich der stimme des volks ins wort. was allen bekannt ist – jetzt ist es nicht mehr wiederzuerkennen”.

„wendepunkt“ war wiederzuerkennen und „wien zärtlich“ wurden prächtig verwandelt in „weinviertel zärtlich“.
Barbara Lehner ist Weinviertlerin aus Ernstbrunn und hat Poetry Slam in Wolkersdorf kennen gelernt. Sie bereichert die Slam Szene durch gesellschaftskritische, alltagsnahe Spoken Word Texte und Miniaturen über das Menschliche ohne Zeigefinger. Sie hat Russisch-Englisch-Dolmetsch studiert, als Sozialarbeiterin im Gefängnis Göllersdorf gearbeitet, Kinderbücher mit einem gewissen Herrn Stinki als Protagonisten verfasst, ist Mutter zweier erwachsener Kinder, im Bereich der Erwachsenenvertretung tätig und steht seit nunmehr vier Jahren auf Poetry Slam Bühnen in ganz Österreich.

Henrik Szanto hat es der „Blitzrosa Glamour“ angetan. Der einzige Gedichtband von Adelheid Dahimène (1956-2010) für Erwachsene ist auch bestechend. Für ihre Kindergedichte und Jugendromane war und ist die Oberösterreicherin bekannt, als Lyrikerin ist sie eine Entdeckung und unbedingt zu empfehlen. 2006 wurde sie mit dem Feldkircher Lyrikpreis ausgezeichnet. In „Blitzrosa Glamour“ werden Redewendungen und Ausdrucksweisen dekonstruiert und gemixt, geht es um Alltagsbeobachtungen und Reflexionen einer sensiblen, kritischen Beobachterin, mitunter mit Humor und Ironie. Henrik Szanto hat gleich mehrere Gedichte motivisch aufgegriffen und in seiner Antwort ins Zirkuszelt gebeten.

Henrik Szanto ist halb Finne, halb Ungar und lebt als Schriftsteller, Slam Poet, Moderator und Kulturveranstalter in Wien. Die Kernthemen seiner Arbeit sind Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt. Er ist Mitbegründer und künstlerischer Leiter des Wiener Kulturlabels FOMP und Gründungsmitglied und Initiator der Lesebühne „Sinn & Seife“. Gemeinsam mit Jonas Scheiner bildet er das preisgekrönte Poetry-Slam-Team Kirmes Hanoi. Sein aktuelles Buch – „Es hat 18 Buchstaben und neun davon sind Ypsilons“ – erschien 2018 im Lektora Verlag und wurde auf der Leipziger Buchmesse zum „Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres 2018“ auserkoren.

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Weinviertel trifft auf Finnland und Ungarn

sdw 2.4 wird bestritten von Barbara Lehner und Henrik Szanto und findet am Montag, den 4. November 2019 in der Alten Schmiede statt. Wie immer beginnt es um 19 Uhr. Wie immer ist der Eintritt frei und wird Markus Köhle durch den Abend führen.

Foto: TJ Photography

Barbara Lehner hat die Wahl zwischen Ilse Aichinger, Heidi Pataki und Hermann Schürrer. Henrik Szanto darf sich näher beschäftigen mit Thomas Bernhard, Joe Berger und Adelheid Dahimène. Wer ausgewählt wurde, wird hier nicht verraten. Nur so viel. Es wird ein spannender, abwechslungsreicher und ja, auch lehrreicher Abend. Lasst euch das nicht entgehen.

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Ganz schön schön

Am Montag, den 30. September 2019 standen Anna-Lena Obermoser und Simon Tomaz bei Slammer.Dichter.Weiter. 2.3 auf der Bühne in der Alten Schmiede.
Anna-Lena hat sich für Elfriede Gerstl entschieden und gleich drei ihrer Gedichte („weiter“, „wer ist denn schon“ und „eine straßenbahhaltestelle“ aus der Neuen Wiener Mischung) in Texte eingewoben.

Elfriede Jelinek schreibt: „Ich verlange, dass die Werke Elfriede Gerstls die nächsten hundert Jahre (und noch viel länger) gelesen werden. Das ist eine Stimme in der österrreichischen Literatur, die nie verstummen darf. Diese gellende Leichtigkeit, diese zarten, aber durchdringend leisen Gedanken dürfen nicht in Vergessenheit geraten.“ Tja und da hat Jelinek natürlich recht.

Simon Tomaz wählte Konrad Bayer und zwar sein Stück „Kasperl am elektrischen Stuhl“, das er zum Teil vorlas und sodann in die Gegenwart holte.

Elfriede Gerstl schreibt über Konrad Bayer: Seine Texte „haben die Verführungskraft einer Droge“ Tja und da hat Gerstl nachtürlich recht.

Zwei unterschiedliche Herangehensweisen, beide gelungen. Ein schöner Abend!

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Montag, 30. September 2019 – sdw 2.3

Wir werden gewählt haben, es wird sich nicht alles verschlimmert auch manches verändert haben. Wir werden noch etwas wahlverkatert sein, uns aber auf zwei herausragende Poetry SlammerInnen freuen. Anna-Lena Obermoser aus Graz und Simon Tomaz aus Wien treten für uns an.
Anna-Lena hat sich Elfriede Gerstl, Gunter Falk und Christine Busta näher angeschaut, Simon Tomaz Andreas Okopenko, Konrad Bayer und Christine Lavant näher unter die Lupe genommen.

Die Wahl wird wie immer nicht verraten. Das Ergebnis wird wie immer spannend, vor allem, wenn man weiß, wie Anna-Lena ihren Flow und ihre Stimme einzusetzen weiß und dass sie ein Faible für Dialekttexte hat und wenn man überdies weiß, dass Simon sich ganz gerne strenge Texterstellungskorsette anzieht, um darin vollends aufgehen zu können. Das verspricht nicht nur ein besonderer Abend zu werden. Er wird es garntiert. Das sollten Sie sich und ihr euch nicht entgehen lassen. Eintritt wie immer frei, alle herzlich willkommen! Beginn: 19 Uhr

Foto von Anna-Lena

Anna-Lena Obermoser kommt aus dem Oberpinzgau und lebt in Graz. Dort studiert sie Soziale Arbeit und ist aktive Förderin der Poetry Slam Szene (insbesondere Nachwuchs- und Frauenarbeit). Seit 2011 steht sie auf Slam-Bühnen, 2015 war sie U-20-Ö-Slam-Siegerin. Sie ist eine markante Stimme der österreichischen Spoken Word Poetry. Schreibt Gedichte, Songs, Texte (gerne auch im Dialekt) und eine Kolumne für die Literaturzeitschrift DUM.

Foto von WhyT

Simon Tomaz ist seit 2012 Slammer, war 2016 Ö-Slam-Vize im Einzel und Ö-Slam-Champ im Team (mit Elias Hirschl). Er ist Teil der Lesebühne „Bis einer reimt“, Mitorganisator des U-20-Poetry-Slams Wien. Simon Tomaz hat ein Faible für Regeltexte und ist stets auf der Suche nach neuen, originellen Formen. In seiner Diplomarbeit hat er sich auch wissenschaftlich mit Poetry Slam auseinandergesetzt.

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Blauer Hut und papierene Stiefel

„Es ist zu heiß für mich in dieser Stadt“, heißt es in „Zu viel Hitze“ von Falco (1957-1998). Das mit der Hitze traf auf den 13. Juni 2019 für Wien definitiv zu. Aber Käthl war froh, aus Innsbruck raus und nach Wien zu kommen. Denn dort bestimmte grad der Inn das Geschehen. Der drohte über die Ufer zu treten. Die Frau aus dem Westen entschied sich schließlich für „Männer des Westens“ von Falco aus dem Jahre 1985 vom Erfolgsalbum Falco 3. Kähtl gelang es mühelos, Falco zu ver-SweetKen. Ergebnis und Antwort gibt’s demnächst hier zu hören und sehen.

Für ein Vorbild von Falco hat sich Xaver Wienerroither entschieden. „ich rede nicht von meinen gefühlen; ich setze vielmehr worte in szene und sie treiben ihre eigene choreographie.“, sagte H.C. Artmann (1921-2000) in einem Vortrag. Ob und wie viel Artmann-Texte im Radio zu hören sein sollen, ist aktuell grad Thema und Diskussionspunkt. Wir freuten uns, aus dem Munde von Xaver „Mylady mit dem blauen Hut“ zu hören. Das stammt „Aus meiner Botanisiertrommel. Balladen und Naturgedichte (1975)“. Was Xaver damit und daraus gemacht hat. Ebenfalls demnächst hier. Ins Summe gilt gut und gerne, was Alfred Kolleritsch einst feststellte:
„Das Werk H. C. Artmanns ist die gesammelte Rettung der Poesie.“

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