Slammer.Dichter.Weiter. 15

SDW 15 wird bestritten von Christian „Schreibi“ Schreibmüller (A) und Stefan Dörsing (D) und findet am Dienstag, den 6. Mai 2014 in der Alten Schmiede statt. Beginn ist 19 Uhr und der Eintritt wie immer frei. Moderiert wird von Markus Köhle

ChristianSchreibiSchreibmüller
Christian Schreibmüller
(*1949 in OÖ) ist Mitbegründer des Wiener Flohmarkts 1972, der „HOSI“ 1979, des Anarchistenzentrums Gassergasse, „GAGA“ 1981, der „Libertine“ 1986, Fotograf, Journalist (Wiener/Wienerin, Stern, Profil etc.) Autor, Veranstalter, Schauspieler, Filmer und Fernsehgestalter diverser Sender, Fotoausstellungen im In- und Ausland; Fotoband über Sizilien, Lyrikbände „Phantasiedehitze“ und „Kannibalenromanze“, Herausgeber der Anthologien „Ungehaltene Rede“ (2008) und „Existenz und Renitenz“ (2011).
STDörsing1Stefan Dörsing (*1988 in Görlitz) wohnt und arbeitet in Wetzlar. Seit 2004 auf Slambühnen. Schreibt, slammt, beatboxt. Doppelter Vize-Meister im Poetry Slam (Team), Slam-Master und MC verschiedener Slams in Mittelhessen. Angehender Kung-Fu Meister. Kann aber auch Maschinen bauen. Mag das zweite Gesetz der Thermodynamik.

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Stahlstadtromantik und Oberflächenhochglanz

DSC09757Julian Heun und Severin „Sevi“ Agostini wählten bei SDW 14 am 2. April 2014 zwei Dichter aus, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Alexander Lernet-Holenia und Erich Fried. Der eine der letzte Habsburge Dichter, der andere der Hausheilige der 68er Generation. Aber Gemeinsamkeiten ließen sich dennoch finden und spannend war der Abend ob dieser Gegensätze auf alle Fälle. Julian Heun wählte die titelgebenden „Fragmente aus verlorenen Sommern“ (2001 Zsolnay) und Sevi das Gedicht „Wegweiser“ aus dem Band „Zur Zeit und zur Unzeit“ (Wagenbach 2001).
Markus Köhle moderierte und streute diverse Zitate ein von den zwei Auserwählten und Julian und Sevi entführten das Publikum in den Kosmos von Berlin- und Linz-gefärbter Spoken Word Poetry.

DSC09742Alexander Lernet-Holenia geboren 1897, ist aristokratischer Abstammung, zieht 1915 freiwillig in den Krieg, schreibt sodann seine ersten Gedichte und schickt sie 1917 dem großen Rilke. Der soll ein Förderer werden und Lernet-Holenia noch einige Zeit nach Rilke klingen. 1921 erschien der erste Gedichtband, Theaterstücke und Preise folgten, in den 1930er Jahren dann zahlreiche Romane (darunter zB „Die Standarte“). Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er als Dramaturg der Heeresfilmstelle in Berlin, ab 1951 lebt er wieder in Wien, wird 1969 Präsident des Österrreichischen PEN Clubs (tritt 1972 zurück, weil Heinrich Böll den Literaturnobelpreis bekommt). Er residiert in der Hofburg, eine Gedenktafel erinnert noch heute daran, 1976 verstirbt er.
1989 hat Roman Rocek „Das lyrische Gesamtwerk“ herausgegeben, 2001 folgte eine Auswahl von Rüdiger Görner „Fragmente aus verlorenen Sommern“. Darin befindet sich auch das bemerkenswerte Langgedicht „Germanien“. Eine effektvoll donnernde Klageshymne in der Lernet-Holenia mit dem 3. Reich und den Schuldigen abrechnet und zwar mit Pathos und Formtreue.

DSC09746Erich Fried muss 1938 als 17jähriger vor den Nazis nach London flüchten, 1944 veröffentlicht er dort seinen ersten Gedichtband „Deutschland“, arbeitet aber auch als Übersetzer und politischer Kommenator der BBC. Er engagiert sich an allen Fronten, macht Tagespolitik zu Lyrik („und Vietnam und“ 1966, „Höre Israel!“ 1974). Er ist gefragter Redner und rebellischer Menschenfreund, er füllt Literaturhäuser und überrascht immer wieder. Er wird Mitglied der Gruppe 47 (1963) und nimmt auch die Österreichische Staatsbürgerschaft (1982) wieder an. Er ist der politische Dichter seiner Zeit und ist heute für viele der Liebesgedichteschreiber schlechthin. Das hat mit seinen sehr erfolgreichen „Liebesgedichten“ (1979) zu tun. Auf die Frage wie er sterben möchte, angwortete er: „Erst nach den meisten heute herrschenden Politikern“. 1988 stirbt Fried.

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Slammer.Dichter.Weiter.14

Am Mittwoch, den 2. April findet wie immer um 19 Uhr in der Alten Schmiede SDW 14 statt. Zu Gast sind: der großartige Berliner Julian Heun und der nicht minder großartige Linzer Sevi. Beide haben von mir eine Auswahl an DichterInnen des 20./21. Jahrhunderts bekommen, um sich damit zu beschäftigen und haben wohl mittlerweile bereits gewählt, auf wen sie antworten werden. Markus Köhle moderiert, der Eintritt ist frei aber die Plätze begrenzt. Also nichts wie hin!

HeunHendrikSchnellerJulian Heun (*1989; Foto von Hendrik Schneller) ist Autor und Slam Poet aus Berlin. Im März 2013 erschien sein erster Roman „Strawberry Fields Berlin“ bei Rowohlt.Berlin. Seit 2007 ist er auf Poetry Slams und Kleinkunstbühnen zu finden. Er ist doppelter Deutschsprachiger Meister (U20 & Team), dreifacher Deutschsprachiger Vizemeister (Einzel & Team), zweifacher Berliner Meister im Poetry Slam. 2010 gewann er den Kleinkunstpreis Stuttgarter Besen samt Publikumspreis. Er war Gast des Goethe-Instituts bei internationalen Poesiefestivals in Europa, Afrika, Süd- und Nordamerika. Julian Heun ist Projektleiter beim Poesiefestival Berlin 2013, Teil der Lesebühne Spree vom Weizen und des Spoken-Word-Ensembles Allen Earnstyzz und moderiert und organisiert gemeinsam mit Wolf Hogekamp den Bastard Poetry Slam in Berlin.

Poetry SlamSeverin „Sevi“ Agostini (Foto von Matthias Rhomberg) ist einer der bekanntesten und reisefreudigsten Poetry Slammer Österreichs. Als rustikaler Poet mit Hang zum Pathos versucht er seit einigen Jahren seinen Bühnendrang auszuleben und Menschen mit Geschichten und Wortgemälden zu begeistern. Außerdem ist er immer gut gelaunt, schließt schnell Bekanntschaften, integriert sich immer vorzüglich und trinkt das Backstagebier leer.
Bislang darf er sich Wittener Stadtmeister 2010 nennen, war Halbfinalist der deutschsprachigen Meisterschaften 2010 und hat einen dritten Platz bei den österreichischen Meisterschaften 2011 zu Buche stehen. Außerdem ist er National-Wettkönig 2011 und mag keine Himbeeren, dafür liebt er Bienen und das Wort außerdem. Es existieren von ihm ein nie aufgeführtes Soloprogramm namens „Die Leichtigkeit des Nichtseins“ sowie 1-2 kleinere Publikationen.

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Erfreuliche Bilanz und Ohrensessellyrik

Slammer.Dichter.Weiter.13 fand am 10. März 2014 statt. Die Alte Schmiede war gut gefüllt und das Publikum gewillt, den Beiträgen von Ken Yamamoto (Berlin) und Stefan Abermann (Innsbruck) zu lauschen. Markus Köhle hat wie immer moderiert.

DSC09532Ken Yamamoto hatte die Wahl zwischen dem vor 25 Jahren verstorbenen Skandalautor Thomas Bernhard, dem zweisprachige Poesie verfassenden Gerhard Kofler und dem sfd-Gründer und Performance-Poeten Christian Ide Hintze und hat sich für ersteren entschieden.

Thomas Bernhard hat bereits als Jugendlicher Gedichte geschrieben, die noch sein Großvater, Johannes Freumbichler, beurteilte und die sich im Nachlass erhalten haben. Während der 1950er Jahre arbeitete er als Journalist, war gleichzeitig als freier Schriftsteller tätig nahm Unterricht in Schauspielkunst und Dramaturgie und in Musiktheorie im Mozarteum Salzburg.1952 veröffentlicht der Münchner Merkur das Gedicht Weltstück, 1957 erscheint im Otto Müller Verlag der erste Gedichtband: Auf der Erde und in der Hölle, es folgen weitere: In hora mortis (Otto Müller Verlag, Salzburg 1958), Unter dem Eisen des Mondes (Kiepenheuer & Witsch, Köln 1958).

Der typische Bernhard Sound ist bereits in den Gedichten heraushörbar. Thomas Bernhard Texte sind rhythmisch, bauen auf Wiederholung und haben melodische Wirkung. Ken Yamamoto hat das für sich genützt und den Text „In meiner Hauptstadt“ auf Berlin umgemünzt.

DSC09541Stefan Abermann hatte die Wahl zwischen dem Kabarettisten, Hörspielautor und genialen Interpreten seiner selbst Otto Grünmandl, dem Wortungetüme und Textwuste produzierenden Max Riccabona und der Kinderbuchautorin und Lyrikerin Christine Busta und hat sich für letztere entschieden.

Christine Busta (1915-1987) studierte Anglistik und Germanistik, arbeitete als Lehrerin, nach Kriegsende als Dolmetscherin und von 1950 bis 1976 als Bibliothekarin der Städtischen Büchereien, ihr erster Gedichtband „Jahr um Jahr“ erschien 1950 es folgen zahlreiche weitere (zB Der Regenbaum, 1951; Lampe und Delphin, 1955; Die Scheune der Vögel, 1958; Das andere Schaf, 1959; Wenn du das Wappen der Liebe malst, 1981; Der Himmel im Kastanienbaum, 1989).

Für Wolfgang Wiesmüller (Uni Innsbruck) sind die bestimmenden Bereiche ihrer Gedichte die Natur und das Religiöse, was er Verknappungstendenz nennt, drückt die Dichterin selbst, wie folgt aus: „Dawischen mechti eich, / jo dawischn! / Mid an aanzign Wuat“ Busta will von den Lesenden, besser den Hörenden verstanden werden. Gesprochene Literatur hatte für sie einen besonderen Stellenwert. ZB schreibt sie in einem Brief 1960: „Weißt, Sprache ist für mich immer noch zuvörderst gesprochene Sprache und ich hab die Erfahrung gemacht, dass die Leute viel eher an mir vorbeilesen als vorbeihören.“

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Slammer.Dichter.Weiter. 13

SDW geht geht ins vierte Jahr. Die erste Paarung 2014 besteht aus: Ken Yamamoto (D) und Stefan Abermann (Innsbruck) und geht am Montag, den 10. März wie immer um 19 Uhr über die Bühne der Alten Schmiede in Wien. Markus Köhle moderiert und der Eintritt ist frei!

KenYamamotoKen Yamamoto: Spoken Word Poet und Lyriker lebt in Berlin. Zahlreiche Auftritte bei Poetry Slams und Literaturshows. Mitglied der Berliner Lesebühne ‚Spree vom Weizen‘.
2007 erhielt er den Martha-Saalfeld- Förderpreis. 2008 erhielt er das Stipendium Künstlerdorf Schöppingen und veröffentlichte den Gedichtband ’skzzn‘ bei James & Warrington. 2011 arbeitete er in Chicago mit dem Erfinder des Poetry Slams Marc Kelly Smith am Projekt «Performative Translations».  www.kenyamamoto.de

ÁbermannRobertMaybachStefan Abermann (*1983) verfasst neben Poetry-Slam-Texten auch Kurzgeschichten, Theaterstücke und Romane. Veröffentlichungen in diversen Literaturzeitschriften (u.a. DUM, Kolik, Lichtungen, The Gap).
Ö-Slam-Sieger 2008 und Gründer von “Text ohne Reiter”, der ersten Innsbrucker Lesebühne, die seit 2007 monatlich stattfindet. Im März 2011 erschien sein Debüt-Roman “Hundestaffel” im Skarabaeus Verlag. Förderstipendium für Literatur der Stadt Innsbruck 2012. Stefan Abermann lebt in Innsbruck. www.stefanabermann.org
FOTO: Robert Maybach

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Jojojo Jonke Jandl Jonke Jandl Jonke Jandl

DSC09072Slammer.Dichter.Weiter. Nummer 12 am 12.12.2013 war ein schwungvoller Abend mit der Berliner Poetry Slam Legende Wolf Hogekamp und Österreichs Papa Slam Markus Köhle. Moderiert wurde der Abend in unnachahmlicher Manier von Mieze Medusa (sowohl ihr als auch dem sonstigen Moderator war die Nervösität durchaus anzumerken:-).
Wolf Hogekamp knabberte nicht an, sondern polierte Ernst Jandls Heiligenschein mit drei Antworten auf Jandl Gedichte (darunter: „Vater komm, erzähl vom Krieg“) und Markus Köhle versuchte dem genialen Universaldichter Gert Jonke gerecht zu werden und antwortete auf dessen „Ich bin Schriftsteller“ und „Oft gehe ich“. Publikum war trotz Vorweihnachtswahnsinn in angenehmer Fülle vorhanden, die Stimmung warm und herzlich und Hogekamp und Köhle in bester Slamplätzchen-Ausstechform.

DSC09079Ernst Jandl (1925-2000) hat schon vor 50 Jahren Massen mit seinen Performances begeistert, er hat aber auch Massen verstört und erst nach Jahren der Anfeindung Einlass in die Schulbücher gefunden.

Gert Jonke (1946-2009)  ist vielen eher als Theaterautor und Verfasser von einzigartigen Romanen wie: „Geometrischer Heimatroman“, „Der ferne Klang“, „Erwachen zum großen Schlafkrieg“, „Schule der Geläufigkeit“ u. a. bekannt, hat aber als 17jähriger bereits Gedichte in der Literaturzeitschrift Der Bogen veröffentlicht, bis ihm das vom Vormund Jugendanwaltschaft verboten wurde. Auch sein letzter veröffentlichter Text (im Standard) war ein Gedicht. Aber an sich geht es bei Jonke gar nicht um die Kategorisierung, sondern viel mehr um die Auflösung von Genregrenzen und um die Erfindung einer neuen Sprache.
DSC09071Hier eine Hommage von Markus Köhle an beide bzw. eine Hommage an die Humanic-Werbungen der 80er Jahre:
Was ich sagte, fragte mich wer nach meinen Säulenheiligenin Prosa, Lyrik, Dramatik und Essayistik
Jonke Jandl Jonke Jandl Jonke Jandl
Jo jo jo Jonke Jandl Jonke Jandl Jonke Jandl
Jo jo jo Jonke Jandl Jonke Jandl Jonke Jandl
Jelinek
Jonke Jandl Jonke Jandl Jonke Jandl
Jo jo jo Jonke Jandl Jonke Jandl
Bayer Schwab Schuh
Franz

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Slammer.Dichter.Weiter.12

foto wolf

Foto von Jens Henkerius

Am Donnerstag, den 12.12. 2013 findet S.D.W. Nummer 12 statt.
Wer sich das nicht merken kann, der braucht nicht kommen. Denn es wird ein wahres Textgeprassel.

Zwar hat Fatima Moumouni leider abgesagt, aber der Gründer der Poetry Slam Szene in Deutschland WOLF HOGEKAMP kommt und es ist mir eine Ehre, dass ich – Papa Slam in Ö – MARKUS KÖHLE Fatima vertreten und selbst als Slammer auftreten darf.

Beginn ist wie immer um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

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Die Braut und der Tagedieb

Slammer.Dichter.Weiter.11 war ein voller Erfolg. Alle Plätze belegt, alle Aufgaben mit Bravour gemeistert. Moritz Neumeier schlüpfte vorübergehend in Norbert C. Kasers Haut und Sebastian 23 nahm sich Gerhard Amanshauers an.
Slammer Dichter Weiter - Markus Köhle - Poetry Slam Weiter DenkenDer Südtiroler N. C. Kaser (1947-1978) versuchte sich nach der Matura als Kapuziner, ging dann nach Wien, um Kunstgeschichte zu studieren, reiste rum (u. a. Norwegen) und kehrte 1971 wieder um und zurück nach Südtirol, wo er sich als Hilfslehrer verdingte und weiterhin der Poesie verschrieb, wie er das seit 1967 zu tun pflegte. Raoul Schrott nannte Kaser einen Querkopf unter Holzköpfen und einen Traditionalisten und Avantgardisten. Das trifft’s ganz gut.
Kasers Konstanten in seinem kurzen Leben: Poesie – Schule – Alkohol;
ad Poesie: von 1967-1970 gab er in Eigenregie 8 Gedichtbände heraus, veröffentlichte in Literaturzeitschriften, Bücher erschienen allerdings erst posthum; 1969 erregte er mit der „Brixner Rede“ über konservative Kulturinstanzen und patriotische Literatur in Südtirol Aufsehen; 1976 erhielt er als erster Südtiroler Autor das österreichische Staatsstipendium für Literatur; Austritt aus der Kirche – Eintritt in die Kommunistische Partei Italiens; 1978 las er gemeinsam mit Joseph Zoderer in der Alten Schmiede; Sein lyrisches Werk ist geprägt von Religiosität, lokale Realitäten und Alkohol;
ad Schule: „die dichterei was soll’s wirkt erst in betagten tagen / das kinderformen zeitigt ergebnisse schon im ersten jahr“, sagte er und verfasste auch eigens für seine SchülerInnen Fabeln, Kurzprosa und Gedichte;
ad Alkohol: Kaser stirbt nach Entzug und Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt 31jährig an den Folgen einer Leberzirrhose;
Moritz Neumeier rezitierte und beantwortete folgende Gedichte: „Schoene Tage“; „Die Braut“; „Der deutschen Dichtung gesagt“; Als Bonus (und aus Begeisterung) trug er auch noch „Muster II“ vor.

Gerhard Amanshauser (1928-2006) studierte in Graz und Wien, war kurz als Lehrer tätig, entschied sich aber bereits 1955, freier Autor in Salzburg (in der Familienvilla am Festungsberg) zu sein. Bereits 1957 erhielt er den Georg-Trakl-Anerkennungspreis, 1968 erschien sein Debütroman „Aus dem Leben der Quaden“, der Durchbruch gelang ihm mit dem Roman „Schloss mit späten Gästen“ (1975) der auch verfilmt wurde. Amanshauser war immer ein literarischer Eigenbrötler und ein Literaturbetriebsaußenseiter. Ob Erzählung oder Essay, ob Lyrik oder Aphorismen – einordnen ließ sich Amanshausers Werk nicht so einfach. Von 1972 bis 2001 führte Amanshauser Tagebuch (2012 bei Residenz erschienen). Er war auf jeden Fall ein Meister der kurzen Formen und neben satirischen Sammlungen (z. B. „Ohrenwurst aus Österreich (2002)“) erschien 1986 auch ein Band mit dem Titel „Gedichte“.
Daraus hat sich Sebastian 23 den „Tagedieb“ ausgesucht und für sich und das Publikum ausgearbeitet.
Moritz Neumeier fand durch Kaser einen Zugang zu ungereimten Gedichten, Sebastian 23 beginnt vermutlich ein Tagebuch und das Publikum eilt in Buchhandlungen und Büchereien, um sich werke aller vier zu besorgen. So soll es sein, das ist SDW und schön.

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Slammer.Dichter.Weiter.11

Sebastian23 und Moritz Neumeier gemeinsam, abendfüllend auf der Bühne! Ob es das schon einmal gegeben hat, ich weiß es nicht. In Österreich jedenfalls noch nicht. Am Dienstag, den 12. November 2013 bei Slammer.Dichter.Weiter. 11 in der Alten Schmiede gibt es diese Gelegenheit.
Wie immer bei freiem Eintritt, wie immer um 19Uhr.
Diesmal stehen folgende DichterInnen zur Auswahl:  Gerhard Amanshauser, Christine Busta, Michael Guttenbrunner, Gert Jonke, N. C. Kaser und Max Riccabona.

01_sebastian04_by_christoph_neumann_webSebastian 23 ist einer der bekanntesten Poetry Slammer Deutschlands, Kabarettist, Liedermacher und Moderator zahlreicher Slam Events im deutschsprachigen Raum. Seit 2002 hat er sich der live vorgetragenen Literatur verschrieben. 2008 wird er deutschsprachiger und Vizeweltmeister im Poetry Slam, sein erstes Buch „Ein Kopf verpflichtet uns zu nichts“ (Lektora) erscheint. 2010 gewinnt er den Prix Pantheon. 2011 erscheint sein zweites Buch „Schwerkraft und Leichtsinn“ (WortArt). Sebastian 23 war Mitglied der literarisch-performativen Boygroup SMAAT und ist Mitglied der Slam-Lesebühne LMBN und des Duos ERZFREUNDE (mit Lars Ruppel). Sein aktuelles Solo-Programm heißt„Dem Schicksal ein Schnittchen schmieren“. Das Foto zur Linken hat Christoph Neumann gemacht. www.sebastian23.com

moritz-pressebildMoritz Neumeier ist Autor, Kabarettist und Poetry Slammer. Er bildet mit Jasper Diedrichsen das Slam- und Kabarettduo Team & Struppi. Seit 2008 nimmt er an Poetry Slams im deutschsprachigen Raum teil, moderiert und leitet Workshops. 2010 gewinnt er mit Team & Struppi den Team-Wettbewerb der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften und sein Buch „Drei Wunden – Literatur der Unterschicht“ (Periplaneta 2010) erscheint. 2011 wird ihm in München „Goldene Weißwurscht“, 2012 die „St. Ingberter Pfanne“ verliehen. 2012 feiert sein Bühnenprogramm „Satire macht frei“ im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg Premiere (Das Fotos ist ein Bild für dieselbe). 2013 erhält er den Deutschen Kleinkunstpreis. http://moritzneumeier.wordpress.com

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Wanken, trinken und entflammen

DSC08452Slammer.Dichter.Weiter.10 mit Etta Streicher und Jimi Lend ging am Dienstag, den 24. September 2013 über die Bühne und füllte die Schmiede bis zum letzten Platz.

Etta Streicher hat gleich mehrere Texte von Jeannie Ebner behandelt, Jimi Lend hat sich auf ein Viertel von Joe Bergers Pladoyer für den Alkohol konzentriert.
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Etta Streicher hat ihre Texte mit Streichhölzern, Geräuschen und selbst entwickelten Gedichtmaschinen untermalt, Jimi Lend hat u.a. aus seinem druckfrischen Lyrikband „Mundlandungen“ gelesen.

„Ein Gedicht ist wie ein Kind, das ganz allein in einem Garten spielt.
Da findet es ein Wort, das glänzt.“ schrieb Jeannie Ebner, die 1918 in Sydney geboren wurde, ihre Jugend in Wiener Neustadt verbracht und von 1946 bis 2004 in Wien lebte. Sie war Spediteurin und Stenotypistin und entschied sich dann, freie Autorin zu sein. 1952 erschien das erste Buch „Gesang an das Heute“, bekannt wurde sie mit dem Roman „Die Wildnis früher Sommer“.
DSC08446Jeannie Ebner war im Vorstand der Literarischen Verwertungsgesellschaft, aktiv in der ÖGL, dem P.E.N.-Club, dem Schriftstellerverband und im Literaturkreis Podium. Bis in die 1990er Jahre veröffentlichte sie 26 Bücher und zahlreiche Übersetzungen ins Englische. Ihre Prosa ist dem magischen Realismus zuzuschreiben, ihre Gedichte sind Hymnen, Meditationen, Anfrufungen, Stimmungs-, Natur- und Liebesgedichte. Paul Wimmer schreibt im Vorwort des Podium Porträt Band Nummer 21: „Ihre Gedichte sind Brieftauben“, Etta Streicher ließ gleich mehrere Gedichte von Jeannie Ebner hochsteigen.

Joe Berger wurde 1939 geboren, war Chemiker und arbeitete in einer Lackfabrik, ehe er sich 1963 entschied Künstler und Aktionist zu werden. DSC08449Joe Berger war Schauspieler, Querkopf, Provokateur und Gründer der Aktionstheatergruppe first vienna working group: motion (vormals Arbeitsgruppe Bauernschnapsen). Aufbrechen von Verhaltensmustern war sein Metier. Er parodierte Genres, ließ sich schwer einordnen und legte alles daran, Erwartungshaltungen nicht zu erfüllen. Er hat zu Lebzeiten folgende Bücher veröffentlicht: Märchen für Konsumkinder (1977), Ironische Zettel (1980), Plädoyer für den Alkohol (1985), Märchen für die Satten und die Irren (1990). Jimi Lend hat sich das Plädoyer ausgesucht und Rauschgedichte von Berger variiert.

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